Knieschmerzen beim Laufen (Teil 2)
Was tun bei Knieschmerzen beim Laufen? Die 5 effektivsten Kraftübungen
Knieschmerzen beim Laufen (Teil 2)
Wir zeigen dir, wie du dir selber helfen kannst.
Im ersten Teil haben wir erklärt, warum Laufen allein auf Dauer nicht ausreicht – und was passiert, wenn die Grundkraft fehlt. Knieschmerzen, Rückenprobleme, stagnierende Zeiten: fast immer steckt dasselbe dahinter.
Dieser Teil geht einen Schritt weiter. Weg von der Theorie, hin zur Praxis. Welche Übungen bringen etwas? Wie integrierst du Krafttraining in deinen Laufplan, ohne dich zu überlasten? Und was musst du dabei unbedingt beachten?
Themenüberblick:
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Langhantel und Kettlebell: Warum keine Maschinen?
Wenn wir mit Läuferinnen und Läufern arbeiten, kommt oft dieselbe Frage: «Warum trainieren wir eigentlich nicht mit Maschinen?»
Die Antwort ist ganz klar: Maschinen führen die Bewegung für dich. Sie stabilisieren, wo dein Körper selbst stabilisieren müsste. Beim Laufen gibt es keine Maschine, die das übernimmt – dein Körper muss diese Bewegung selbst beherrschen können.
Freie Gewichte – Langhantel und Kettlebell – bringen deinen Körper dazu, die Stabilisation selbst zu übernehmen. Muskeln, Faszien, Gelenke und das Nervensystem arbeiten zusammen. So wie sie es beim Laufen tun müssen. Der Transfer auf die Laufbewegung ist direkt – und das spürst du.
Das ist auch der Grund, warum wir bei Across The Limits bewusst ohne Maschinentraining arbeiten. Nicht weil es «cooler» wirkt, sondern weil es schlicht effektiver ist – für deine Leistung und deine Verletzungsvorbeugung.
Die 5 Übungen, die Läufer wirklich brauchen
Diese fünf Übungen sind kein Zufallsprodukt. Sie bauen genau die Muskelgruppen auf, die beim Laufen für Vortrieb, Knieschutz und aufrechte Haltung verantwortlich sind – und die durch reines Laufen chronisch untertrainiert bleiben.
1. Lastheben eng
Das Lastheben eng (nicht zu vergleichen mit Kreuzheben) ist die Königsübung für Läufer. Punkt.
Sie stärkt die gesamte Beinmuskulatur. Alle Muskeln, die beim Laufen für Vortrieb und Stabilität sorgen – und die die meisten Läufer nie direkt trainieren.
Wer regelmässig und technisch sauber hebt, merkt es nach wenigen Wochen: Die Hüfte läuft runder, die Schritte werden kraftvoller, das Knie bekommt mehr Unterstützung der gesamten Muskulatur, die um das Knie liegt. Was vorher gezwickt oder gezogen hat, tut es nicht mehr.
Konventionell oder rumänisch – beide Varianten haben ihren eigenen Vorteil. Das Rumänische Lastheben (auch als RDL bekannt) isoliert die ischiocrurale Muskulatur exzentrisch, also genau in der Phase, in der sie beim Laufen am stärksten beansprucht werden. Ideal zur Vorbeugung von Hamstring-Verletzungen, die bei Läuferinnen und Läufern häufig auftreten.
2. Kettlebell Swing
Der Swing trainiert das, was viele Läufer nie bewusst gelernt haben: die Kraft aus der Bein-Hüftschlinge. Nicht aus dem Rücken, nicht aus den Armen.
Diese Explosivität ist genau das, was einen flüssigen, effizienten Laufstil ausmacht. Wer seine Beugung und Streckung nicht kennt, schleppt sich vorwärts. Wer das beherrscht, schiebt sich ab.
Bonus: Der Kettlebell Swing ist gleichzeitig ein Konditionstraining. Drei Sätze à 20 Wiederholungen – und dein Herzkreislaufsystem hat auch etwas davon.
3. Goblet Squat
Kniebeuge mit der Kettlebell vor der Brust. Klingt einfach, ist es nicht – zumindest nicht, wenn du es richtig machst.
Der Goblet Squat stärkt Quadrizeps, Gesäss und Rumpf gleichzeitig. Er verbessert die Mobilität in der Hüfte – ein Faktor, der Läufern oft fehlt und sich direkt auf die Kniegesundheit auswirkt.
Wichtig: Wer keine tiefe Kniebeuge mit aufrechtem Oberkörper kann, schiebt die Last kompensatorisch ins Knie. Das ist kontraproduktiv. Auch hier gilt: Zuerst die Technik, dann das Gewicht.
4. Step up
Laufen ist eine einbeinige Sportart. Wer nur beidbeinig trainiert, trainiert an der Realität vorbei.
Einbeinige Übungen wie der Step-up auf eine erhöhte Box decken Ungleichgewichte zwischen den Beinen auf – und gleichen sie aus. Wer auf einem Bein nicht stabil steht, wird beim Laufen kompensieren. Das Knie bezahlt dafür.
Diese Übungen sind oft unbequem. Das ist ein gutes Zeichen. Genau dort, wo es wackelt, ist das Defizit.
5. Farmer's Walk
Gehen mit schwerem Gewicht in jeder Hand. Mehr braucht es nicht.
Der Farmer’s Walk trainiert Griffkraft, Rumpfspannung, Schulterstabilität und Körperhaltung gleichzeitig. Es ist die Übung, die am meisten unterschätzt wird – und die den Laufstil oft sichtbar verändert. Wer regelmässig Farmer’s Walk macht, läuft aufrechter, läuft ökonomischer, ermüdet langsamer.
PS: Einkaufstaschen ab sofort heim tragen, anstatt mit dem Auto zu fahren. 😉
Der Punkt, der oft übersehen wird: die Technik
Diese fünf Übungen sind mächtig. Sie können enorm viel bewirken – in die richtige Richtung, aber auch in die falsche.
Lastheben mit rundem Rücken belastet die Bandscheiben. Ein Goblet Squat, bei dem die Knie nach innen fallen, trainiert das Problem weiter, das man eigentlich lösen wollte. Ein Kettlebell Swing, der aus dem Rücken statt aus den Beinen kommt, bringt wenig – ausser Rückenschmerzen.
Deshalb ist fachkundige Begleitung am Anfang Voraussetzung. Komplexe Bewegungsmuster brauchen ein paar Trainings, um richtig zu sitzen. Danach läuft es – und dann bringt es auch wirklich etwas und macht auch immer mehr Spass.
Bei uns in Zürich-Altstetten erlernen die meisten Kund:innen diese Grundbewegungen in den ersten 10 Einheiten. Was danach kommt, baut darauf auf.
«Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass mein Laufstil mit meiner Lastheben-Technik zusammenhängt. Seit ich das weiss, hat sich alles verändert.» – Kundin, Zürich
Wie du Krafttraining konkret in deinen Laufplan einbaust
Die häufigste Frage, die wir hören: «Wann soll ich das noch machen?»
Zwei gezielte Krafteinheiten pro Woche reichen. Nicht mehr, nicht weniger. Entscheidend ist nicht das Volumen – es ist die Regelmässigkeit über Wochen und Monate.
Eine Musterwoche:
- Montag: Lockerer Lauf 45 Min.
- Dienstag: Krafttraining 45–60 Min. (Schwerpunkt Beinmuskulatur und -achse: Lastheben, rumänisches Lastheben, Step-up)
- Mittwoch: aktive Regeneration oder Pause
- Donnerstag: Intervall- oder Tempolauf
- Freitag: Pause oder kurzes Mobilitätstraining
- Samstag: Krafttraining 60 Min. (Schwerpunkt Rumpf und Explosivität: Swing, Farmers Walk, Goblet Squat)
- Sonntag: Langer Lauf
Drei Regeln, die du dir merken solltest:
1. Kein intensives Beintraining am Vorabend eines wichtigen Laufs.
Nach einer schweren Kniebeugen- oder Lastheben-Einheit brauchst du mindestens 48 Stunden bis zum nächsten langen Lauf.
2. Leichtes Gewicht und saubere Technik zuerst.
Das Gewicht steigt, wenn die Technik sitzt – nicht früher.
3. Die ersten vier Wochen bewusst moderat halten.
Krafttraining ist ein neuer Reiz für deinen Körper. Er braucht Zeit, sich anzupassen. Diese Zeit ist gut investiert.
Was wir nach einem strukturierten Trainingsaufbau von 6 bis 12 Monaten immer wieder hören:
«Ich hätte nie gedacht, dass mir Krafttraining beim Laufen so viel bringt.»
Die häufigsten Fragen
Werde ich durch Krafttraining langsamer beim Laufen?
Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Studien zeigen, dass Läuferinnen und Läufer mit ergänzendem Krafttraining ihre Laufökonomie verbessern – also mit demselben Energieaufwand schneller laufen. Massiver Muskelaufbau ist durch zwei Einheiten pro Woche nicht zu erwarten. Stabilität, Kraftübertrag und Haltung schon.
Ich habe noch nie mit Gewichten trainiert – ist das ein Problem?
Überhaupt nicht. Im Gegenteil: Wer ohne Vorerfahrung startet, baut sich sauber auf – ohne Altlasten, ohne falsch eingeschliffene Muster. Technisch von Grund auf zu lernen ist der beste Start.
Ab wann spüre ich einen Unterschied beim Laufen?
Meist nach 4 bis 6 Wochen – mehr Stabilität, weniger Beschwerden. Messbare Leistungsverbesserungen kommen in der Regel nach 8 bis 12 Wochen. Wer ein Jahr konsequent dranbleibt, wird kaum mehr verstehen, wie er vorher ohne Krafttraining laufen konnte.
Fazit
Zwei Beiträge, eine Kernaussage: Laufen ohne Krafttraining ist ein Haus ohne Fundament.
Das Knie, der Rücken, die Zeit – sie leiden alle unter demselben Mangel. Nicht weil der Körper kaputt ist, sondern weil er nie die Grundlage bekommen hat, die er für diese Belastung braucht.
Lastheben, Kettlebell Swing, Goblet Squat, Step-up, Farmer’s Walk – fünf Übungen, zwei Einheiten pro Woche, technisch sauber ausgeführt. Das reicht. Das verändert, wie du läufst – und wie lange du läufst.
«Ohne Grundlage keine Spezialisierung.» – Michel Fink
Wenn du das Gefühl hast, dass dein Körper bereit wäre für mehr – melde dich. Wir schauen gemeinsam, wo du stehst und was als nächstes Sinn macht.
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